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Jaclyn

Warum ich als Mutter der Selbstoptimierung abgeschworen habe

In allen Lebensbereichen soll optimiert werden und jeder soll nur das Beste aus sich heraus holen. Selfcare wird als Schlüssel für die Selbstoptimierung angesehen. Schlussendlich erhöht das moderne Phänomen doch nur unsere Toleranzgrenze. Sollten man nicht lieber die gesellschaftlichen Strukturen hinterfragen und versuchen, uns Mütter gezielt zu entlasten?

Mein Wunsch: Das Ende der permanenten Selbstoptimierung

“Ich brauche keine Selbstfürsorge. Was ich will, ist eine Gesellschaft, die sich kümmert.”

Ich weiß nicht genau, wo ich diese weisen Worte aufgeschnappt habe und wer sie gesagt hat – aber ich möchte mich hier ganz öffentlich bei der Absenderin bedanken. Denn diese Zeilen beschreiben auf fast unvergleichbar eloquente Art und Weise, was Mütter wirklich brauchen.

Letztes Jahr habe ich auf dem, von Sarah Druckers organisiertem, Event "Rock and Raise" – die übrigens eine großartige Verfechterin für die Bedürfnisse berufstätiger Mütter ist – darüber gesprochen, dass wir uns dem Konzept "Selbstfürsorge” entledigen müssen – um uns selbst zu feiern. Denn mit Selfcare – worunter wir den Begriff heute eigentlich kennen – geht auch immer ein wenig Selbstoptimierung einher. Denn Selfcare – das Vollbad, Hot-Yoga, Meditation, Me-Time und vieles mehr – führt automatisch dazu, dass wir in all den anderen Bereichen unserer Leben als Mütter wieder “besser funktionieren”. So geht am Ende nicht mehr wirklich um uns, unseren Körper und unsere Entspannung. Es geht um eine bessere, ausgeruhte Version von uns, die im Job und für die Familie wieder 150 % geben kann.

Ich meine es daher wirklich ernst: Seltener Selbstfürsorge betreiben und dafür das Muttersein mehr feiern. Wir sollten uns nicht dahinter verstecken, Ausreden suchen oder das Gefühl haben, unsere Mutterrolle hinter all den anderen Rollen, die uns ausmachen, verstecken zu müssen – zum Beispiel, um in unserer Karriere voranzukommen.  

Wir müssen aufhören, alles alleine zu machen, und die Gesellschaft zur Verantwortung ziehen

Es reicht natürlich nicht aus, dass wir Mütter uns selbst feiern. Das würde die Verantwortung wieder komplett bei uns lassen. Denn das Letzte, was wir brauchen, ist noch ein Punkt auf unserer Verantwortungs-To-Do-Liste. Oder? Hier muss in meinen Augen die Gesellschaft aktiv werden – weniger über Fürsorge reden, sondern machen. Schauen, wo Bedarf besteht. Es ist so offensichtlich. 

Ich muss mir nicht noch einmal anhören, dass ich mehr Zeit für mich nehmen oder ein Hobby suchen solle – um “runterzukommen”. Ich brauche nicht noch eine Entspannungskerze oder eine Massage, um die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen. Was Mütter wirklich brauchen, sind KiTa- und Schulsysteme, die es uns ermöglichen, auch ohne Selfcare-Agenda die Nerven zu behalten und uns zu entfalten. Damit wir die gleichen Chancen und die gleiche Bezahlung erhalten wie Männer. Und – bitte – lasst uns das Mom-Shaming endlich begraben. 

Am Ende des Tages ist “Selfcare” ein Freifahrtschein für gesellschaftliche Untätigkeit 

Es gibt diesen Spruch: “The road to hell is paved with good intentions”. Das bedeutet so viel wie, dass gut gemeinte Ratschläge manchmal genau das Gegenteil bewirken. So, vielleicht etwas weniger radikal, sehe ich das mit dem Kommentar zu “mehr Selbstfürsorge”. Ich möchte dann manchmal zurückschreien und sagen: “Ich soll mich mehr um mich selbst kümmern? Wie wäre es damit, wenn “ihr” – die da oben – mehr Zeit in eine neue Denkweise investieren würdet?”. Denn Mütter brauchen weniger Selbstfürsorge, Entspannung und Selbstoptimierung, wenn man die Gender Pay Gap endlich schließt, Kinderbetreuung zugänglich und erschwinglich gestaltet, Mom-Shaming verbannt und ein KiTa- und Schulsystem einführt, bei dem gerade nicht wir Mütter einspringen, wenn Lücken entstehen. 

Selbstoptimierung und Selfcare – als Allheilmittel für Chancenungleichheit und Überforderung – verkommt zu einem Freifahrtschein, der es der Gesellschaft die Möglichkeit gibt, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Anstatt das System zu verbessern. 

“Ich brauche keine Selbstfürsorge. Was ich will, ist eine Gesellschaft, die sich kümmert”,ist daher eine wirklich grandiose Aussage. Aus meiner Sicht, vielleicht etwas zu simpel und optimistisch dargestellt, ist es nicht so schwer, das umzusetzen. Alles, was man braucht, ist eine Gesellschaft, die sich um uns sorgt. Mit meinen Produkten möchte ich allen Müttern etwas Gutes tun und mit gesunder Babynahrung für unsere Liebsten unterstützen.

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